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HR-PRAXIS

5 MIN LESEZEIT

Deshalb sollten Sie diesen Artikel lesen:

Es ist ganz einfach: Zufriedene Mitarbeiter bleiben Ihrem Unternehmen erhalten. Aber wie schaffen Sie es, die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern und hochzuhalten? Die Lösung heißt lebensphasenorientierte Personalpolitik.

Antonia Szonnell

Antonia Szonnell

So machen Sie Ihre Mitarbeiter glücklich

Wie Ihnen lebensphasenorientierte Personalpolitik hilft die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern

Na, wie sind Sie heute morgen in den Tag gestartet? Entspannt bei einer Tasse Kaffee und der Tageszeitung? Oder haben Sie die Kinder pünktlich im Kindergarten und der Schule abgesetzt und sind dann entspannt zur Arbeit gefahren und motiviert in den Tag gestartet? Sehr schön, das freut mich für Sie. Weiterlesen sollten Sie trotzdem! Falls es bei Ihnen anders lief, dann sollten Sie sogar unbedingt(!) weiterlesen. 

 

Bei den meisten Ihrer Mitarbeitern (und vielleicht auch bei Ihnen selbst?) wird es vermutlich etwas anders abgelaufen sein: Kind Nummer eins wollte partout nicht aufstehen, Kind Nummer zwei wollte unbedingt ein Kleid anziehen obwohl es draußen Minusgrade hat. Das Frühstück ausnahmsweise in einem angemessenen Zeitrahmen verspeisen, damit Mama und/oder Papa rechtzeitig ins erste Meeting kommen, wollte vermutlich keins von beiden. Und dann kommt noch die Diskussion mit dem Ehepartner dazu, wer die Kinder mittags nach der Arbeit zum Sport fährt und mit der Oma den Arzt besucht. Und dann wundern Sie sich, warum manche Mitarbeiter morgens schon gestresst zur Arbeit kommen? 

 

Nur zufriedene Mitarbeiter bleiben Ihnen langfristig erhalten 

Ich sage Ihnen: das muss nicht sein! Aber dazu muss ich kurz etwas ausholen. Ein Mitarbeiter verbringt rund 57 % seiner Zeit bei der Arbeit. Das ist mehr als die Hälfte. Da bleibt neben schlafen, essen und dem Weg zur Arbeit nicht mehr viel Zeit, um die großen und kleinen Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Der Arbeitgeber spielt also eine, wenn nicht sogar die zentrale Rolle im Leben des Mitarbeiters. Mehr oder weniger freiwillig. Und aus diesem Grund müssen Unternehmen jetzt tätig werden, wenn Sie zufriedene Mitarbeiter möchten. Denn nur zufriedene Mitarbeiter bleiben langfristig. Und das ist wiederum entscheidend für den Unternehmenserfolg. Eine Win-Win-Situation also. Doch wie können Unternehmen das erreichen? Ein Begriff der im Zusammenhang mit Mitarbeiterzufriedenheit immer mehr in den Fokus rückt ist die die lebensphasenorientierte Personalpolitik. 
 

Was ist lebenphasenorientierte Personalpolitik?

Wundern Sie sich nicht, wenn sie noch nie etwas davon gehört haben. Ich kenne das Thema zwar, habe mich aber bisher auch nur am Rande damit beschäftigt. Umso überraschter war ich, als ich gemeinsam mit einem Kollegen einen Vortrag zum Thema „Generationen unter einem Dach“ vorbereitete und wir während unserer Recherche den Nutzen und Wichtigkeit von lebensphasenorientierter Personalpolitik erkannten.

 

Dabei sind wir auf folgende Definition des Modells „Lebensphasenorientierte Personalpolitik“ durch das Institut für Beschäftigung und Employability an der Fachhochschule Ludwigshafen und deren Professorin Jutta Rump gestoßen. Darin heißt es:

 

„Unter Berücksichtigung der einzelnen Lebensphasen, die durch unterschiedliche private und berufliche Hintergründe gekennzeichnet sind, fokussiert eine lebensphasenorientierte Personalpolitik auf

  • die Entwicklung und Erhaltung der nachhaltigen Leistungs- und Beschäftigungsfähigkeit aller Mitarbeiter, 
  • die Vereinbarkeit von Lebens- und Berufssituationen sowie 
  • den Umgang mit den Demografie-Effekten durch eine altersgerechte Personalpolitik."

Heißt also: das Leben eines Mitarbeiters verändert sich und das Unternehmen sollte darauf entsprechend reagieren. 

Welche Lebensphasen gibt es überhaupt?  

Zu den Lebensphasen gehört z.B. das Leben als Single oder in einer Partnerschaft, die Familienplanung oder Krankheit. Nicht jede der aufgeführten Lebensphasen „muss“ durchlaufen werden, aber eine empirische Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass jeder Mensch verschiedene dieser Lebensphasen – wenn auch nicht alle – erlebt.

 

Und hier wird das Unternehmen ein Teil der Gleichung, denn in den Lebensphasen sollten natürlich auch die Berufsphasen nicht außer Acht gelassen werden. So steigen viele Mitarbeiter zwischen ihrem 30 und 40 Lebensjahr die Karriereleiter weiter hinauf. Gleichzeitig ist das ist aber auch genau die Zeit, in der es häufig um die Gründung einer Familie oder den Bau des Eigenheims geht. Daher wird dieser Zeitraum häufig die Rushhour des Lebens genannt.

 

Doch welche Lebens- bzw. Berufsphasen gibt es darüberhinaus? Einen guten Überblick gibt das folgende Schaubild:

 

lebensphaseorientierte Personalpolitik-1

 

Aus dem Schaubild (Institut für Beschäftigung und Employability, Prof. Dr. Jutta Rump, 2010) können wir ableiten, dass sich die Anforderungen und Bedürfnisse eines Menschen an die Unterstützung des Unternehmens in verschiedenen Phasen ändern können. Um Mitarbeiter nicht zu verlieren, sei es durch Kündigung, Verlassen des Unternehmens oder durch ein Burnout, müssen sich Firmen Strategien überlegen, um ihren Mitarbeitern das Leben zu vereinfachen und dadurch die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern. 

 

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Verschiedene Lebensphasen erfordern verschiedene Angebote

Je nach Lebensphase variieren natürlich auch die Angebote, die ein Unternehmen bieten sollte. Diese sollten jedoch gut durchdacht werden, denn es macht natürlich wenig Sinn, einem jungen Familienvater einen Auslandsaufenthalt anzubieten. Beispiele gefällig?  

Beispiel Lebensphase Single:

  • Angebot eines Auslandsaufenthalts
  • Weiterbildungsangebote

  • Aufbau eines Netzwerkes

  • Fitness- und Gesundheitsangebote 

Beispiel Lebensphase Familie/Betreuung:

  • Betriebskindergarten oder Angebote zu Kindergärten
  • Angebote zu einem „Oma Service“
  • Ferienbetreuung
  • Teilzeitangebote

Beispiel Krankheit/Alterung:

  • Verkürzte Arbeitszeiten
  • Gesundheitsangebote
  • Zeiten zur Pflege älterer  

Voraussetzungen für eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit 

Bei der weiterführenden Recherche zu meinem Artikel habe ich festgestellt, dass die grundlegenden Anforderungen an einen Arbeitgeber über Generationen hinweg sehr ähnlich sind. Wertschätzung, das voneinander Lernen und in den jeweiligen Lebensphasen und Situationen akzeptiert und respektiert zu werden, wird von den unterschiedlichsten Altersgruppen als Voraussetzung für ein gutes Arbeitsklima gesehen. Und auch hier gilt wieder: gutes Arbeitsklima = hohe Mitarbeiterzufriedenheit. 

 

Eine Studie der Universität Bremen macht deutlich, dass generationsübergreifend die Wahrnehmung der aktuellen Lebensphasen durch den Arbeitgeber letztlich ein starkes Zeichen der Wertschätzung darstellt und damit nicht nur als eigenes, sondern auch als allgemeines Thema in der Personalpolitik eine große Rolle spielt.

 

Abwägen, Anbieten, Anpassen

 

Sie sehen also, es ist nicht allzu schwer, die Mitarbeiterzufriedenheit in Ihrem Unternehmen zu steigern. Es bedarf einiger gut durchdachter Angebote, die Sie Ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Natürlich ist nicht jedes Angebot für alle Mitarbeiter in der gleichen Lebensphase gleich gut geeignet. Es gibt bestimmt auch Mitarbeiter, die, obwohl sie in der passenden Lebensphase sind, einen Auslandsaufenthalt nicht unbedingt gut finden würden. Ein bisschen Feingefühl und Menschenkenntnis Ihrerseits gehören dazu. 

 

Es geht nicht darum, dass die kostspieligsten Angebote bei diesem Thema auch gleich die Besten sind. Es geht darum, Ihre Mitarbeiter in die Personalentwicklung mit einzubeziehen. Machen Sie doch mal eine Mitarbeiterbefragung um herauszufinden, was bei Ihren Mitarbeitern Anklang finden würde! Wägen Sie ab, probieren Sie aus und scheitern Sie ruhig auch mal! Und wenn es dann klappt umso besser! Dann sind Ihre Mitarbeiter zufrieden und Sie auch.