Ein Blick in die Zukunft Der digitale Mitarbeiter am digitalen Arbeitsplatz Ein Blick in die Zukunft Der digitale Mitarbeiter am digitalen Arbeitsplatz

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Deshalb sollten Sie diesen Artikel lesen:

Sie meinen, ein Tischkicker im Aufenthaltsraum reicht aus um ein besonders modernes, digitales Unternehmen zu sein? Weit gefehlt. Es braucht weit mehr. Was genau erfahren Sie in diesem Artikel.

Julia Hentschel

Julia Hentschel

Von der Digitalisierung und dem Gürkchen auf dem Hamburger

Ein Blick in die Zukunft: Der digitale Mitarbeiter am digitalen Arbeitsplatz

Irgendwie war es mit der Digitalisierung bisher immer wie mit der Gurke auf dem Hamburger. Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Ein paar wenige tolerieren sie, finden sich damit ab, ohne groß darüber nachzudenken. Gefragt, ob man sie haben möchte, wurde grundsätzlich keiner. Es wurde einfach irgendwann beschlossen: auf den Hamburger gehört ein warmes Gürkchen.

Gut, ganz so war es bei der Digitalisierung nicht. Da hat nicht ein schlauer Mensch beschlossen, dass ab jetzt alles digitalisiert wird. Aber die Kategorien der Betroffenen konnte man so beibehalten: Liebhaber, Gegner und die, die sich zwangsläufig damit abgefunden haben.

Warum komme ich Ihnen jetzt mit einem solchen Vergleich? Ganz einfach: weil es heute eben nicht mehr so ist. Die Zeiten, in denen man der Digitalisierung aus dem Weg gehen kann, sind vorbei. Schon gar nicht im HR. Klickt man sich durch die bekannten und gut besuchten HR-Blogs, ist die Digitalisierung DAS vorherrschende Thema.

Und damit ist nicht nur gemeint, dass sich die Technik verändert. Es wird nicht reichen, sich mit den neuesten Technologien zu beschäftigen und diese im besten Fall zu verstehen. Der Wandel darf nicht nur auf der technischen, sondern muss auch auf der menschlichen Ebene vollzogen werden.

 

"Der digitale Mitarbeiter von morgen hat niemals wirklich Feierabend"

Stichwort „Mitarbeiter der Zukunft“. Mit welchen Herausforderungen müssen Unternehmen und Mitarbeiter aufgrund der Digitalisierung rechnen? Welche Fähigkeiten muss ein "digitaler Mitarbeiter" mitbringen? Wie sieht der digitale Arbeitsplatz aus und was muss ein Unternehmen dafür bereitstellen?

Was klar ist: Die strikte Trennung zwischen Arbeit und Freizeit ist passé. Tim Cole, Digitalisierungsexperte und Blogger-Pionier, stellt im Interview mit der Zukunft Personal klar: „Der digitale Mitarbeiter von morgen hat niemals wirklich Feierabend.“ Eine gewagte These, aber dazu gleich mehr…

 

Mental fit und glücklich bei der Arbeit

Für Prof. Peter Wippermann, Mitbegründer des Hamburger Trendbüros (ebenfalls im Interview mit der ZP) ist die mentale Fitness der Mitarbeiter ein zentraler Aspekt. „Früher war man in der Freizeit glücklich. Bei der Arbeit ging es lediglich darum, effizient zu sein.“ Heutzutage möchten und müssen Mitarbeiter auch bei der Arbeit glücklich sein. D.h. die Unternehmen müssen die mentale Fitness ihrer Mitarbeiter stärken. Warum? Weil die sich wiederholenden Prozesse über kurz oder lang vollständig von Maschinen (oder Chatbots!) übernommen werden. Und weil die Aufgabe der Mitarbeiter die Entwicklung der Ideen von morgen ist.

 

Digitaler Arbeitsplatz

Es braucht mehr als einen Tischkicker

So sieht das übrigens auch Stephan Derr, Vorstand der Steelcase AG im Interview mit Gero Hesse (.saatkorn). Auch für ihn müssen Mitarbeiter kreativ sein. Aber auch das Unternehmen muss diese Kreativität fordern und fördern. Es reicht aber nicht aus, einen Tischkicker oder ein Lounge-Sofa ins Büro zu stellen. Eine Arbeitsumgebung, die dem Mitarbeiter für jede anstehende Aufgabe den sozialen Arbeitsort zur Verfügung stellt, punktet. Stille Rückzugsräume. Offene Kreativräume. Kommunikative Teamarbeitsplätze.

Was haben wir also gelernt? Der Mitarbeiter muss mental fit und glücklich sein. Außerdem muss er Kreativität mitbringen. Gleichzeitig müssen aber die Bedingungen zur Entfaltung dieser Kreativität vom Unternehmen geschaffen werden.

Und wie war das jetzt nochmal mit der These zum nicht mehr vorhandenen Feierabend von Tim Cole? Das erkläre ich Ihnen gerne.

 

Ein Beispiel aus der täglichen Praxis? 

Stellen Sie sich vor, man schreibt Ihnen vor, dass Sie morgen früh um 8:30 Uhr ins Büro kommen müssen. Entspannt, fit und glücklich. Und ihr Chef erwartet von Ihnen, dass Sie innerhalb dieses Arbeitstages, der um 17:30 Uhr endet, eine Aufgabe umsetzen, eine kreative wohlgemerkt. Dafür können Sie Ihren Schreibtisch nicht verlassen, weil Sie an die Hardware vor Ort gebunden sind. Maximal, um sich in der Küche einen Kaffee zu holen. Zum Mittagessen gibt es einen Cheeseburger in der Kantine (natürlich mit Gürkchen). Während des ganzen Tages telefoniert Ihr Kollege im Büro, führt Smalltalk mit anderen Kollegen oder versucht sogar, Sie in Gespräche zu verwickeln. Und dann haben Sie zwischendurch auch noch zwei Bewerbungsgespräche, an denen Sie teilnehmen müssen. Klingt nicht unbedingt danach, als wäre der Tag von kreativen Ergüssen Ihrerseits geprägt, oder?

Was wäre nun also, wenn Ihr Chef Ihnen sagen würde, dass Sie die Aufgabe irgendwann innerhalb der nächsten 24 Stunden lösen müssten. Ihm aber egal ist, wann, wie und wo Sie das tun? Wahrscheinlich würden Sie, wenn Sie ein Langschläfer sind, erstmal ausschlafen. Sich dann einen ruhigen Raum suchen (sei es zu Hause oder im Büro), in dem Sie ungestört arbeiten können. Oder vielleicht starten Sie den Tag auch erstmal mit einem Spaziergang? Und die Bewerbungsgespräche stören dann auch nicht mehr, weil Sie sowieso abends immer am besten Arbeiten können. Ich denke, Sie wissen worauf ich hinaus möchte.

 

Fangen Sie an! 

Fakt ist, die Digitalisierung bringt die Voraussetzungen für ein solches Arbeiten mit. Umgesetzt werden müssen diese aber von Unternehmen und von den Mitarbeitern selbst. Für Tim Cole ist Abwarten das Schlimmste, was ein Unternehmen jetzt tun kann. Die Devise heißt Anfangen. Die Digitalisierung ist auch ein Wettrennen mit der Zeit. Und dieses Wettrennen wird der verlieren, der das Tempo nicht mitgehen kann oder will.

 

 

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